#156 Zwischen Beats, Bildung & Beteiligung.

Shownotes

Über meinen Gast:

Bülent Teztiker aka DJ Boulevard Bou ist ein Musikproduzent und DJ aus Heidelberg. Der Vater von 4 Töchtern engagiert sich auch im Heidelberger Gemeinderat als Stadtrat für Bündnis90/die Grünen. Seine Schwerpunktthemen sind hierbei unter anderem Chancengleichheit, Sport und Kultur.

Instagram: djboulevardbou Facebook: Bülent Teztiker & DJ Boulevard Bou TikTok: djboulevardbou

Über Isabel Gebien: Isabel Gebien ist die Gründerin von EQUALITY 365, Podcast-Host, zertifizierte Business Coach, Trainerin und Speakerin für inklusive Führung und Kulturwandel.

Sie begleitet Unternehmen und Führungskräfte dabei, faire Strukturen zu gestalten, psychologische Sicherheit zu stärken und moderne Führung wirksam werden zu lassen – klar, zugänglich und manchmal unbequem.

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00:00:01: Hallo und schön, dass du da bist beim Equality Three Hundred and Sixty-Five Podcast.

00:00:05: Dem Ort an dem Gerechtigkeit keine Grenzen kennt!

00:00:09: Heute spreche ich mit Bülent Hestekal DJ ehemaliger Musikproduzent und heute Startrand in Heidelberg.

00:00:15: Bülend ist der Sohn einer allein entziehenden Mutter mit türkischen Wurzeln.

00:00:18: Er ist mit dieser Geschichte groß geworden und bringt genau daraus sein Verständnis für Menschen Verantwortung und Veränderung mit.

00:00:24: Wir sprechen über Herkunft, Jugend- und Kulturarbeit zuhören und darüber warum Veränderungen oft direkt vor der eigenen Haustür beginnt.

00:00:31: Jetzt rein.

00:00:32: Viel Spaß!

00:00:35: Ja, es ist wieder soweit.

00:00:36: eine neue Folge von Equality Three Sixty Five wird jetzt gerade aufgenommen und heute ist der wunderbare Bühlen zu Gast.

00:00:41: ich freue mich mega doll dass du da bist lieber Bühle.

00:00:43: Hallo

00:00:44: Isabel?

00:00:45: Ja hallo wir werden heute ein bisschen über unter anderem über deine Vergangenheit Historie sprechen Über Bildung über Beteiligung über Jugend- und Nachtkultur.

00:00:57: Ich würde sagen wahrscheinlich primär auf Heidelberg fokussiert.

00:01:01: Aber bevor wir da so ein bisschen näher einsteigen, kannst du dich einmal selber vorstellen?

00:01:05: Gerne so ungewöhnlich wie möglich.

00:01:06: Also du musst nicht sagen ich bin der Bülent und ich mach dies und jenes sondern was möchtest Du über Dich teilen?

00:01:11: Was ist wichtig?

00:01:13: Ja es ist sowieso schwierig mich gewöhnlich vorzustellen.

00:01:16: Ich habe verschiedene Identitäten.

00:01:18: Ich bin mal der Bühland, mal Bin ich DJ Boulevabou, mal bin ich Boulevabo alleine Mal bin ich Bülant Abi.

00:01:23: und ja wer bin ich!

00:01:24: Ich bin Bülan Tetztecke aus Heidelberg.

00:01:27: Manche kennen mich als Musikproduzenten von früher.

00:01:29: Da habe ich mit verschiedenen Künstlern auch in Heidelberg zusammengearbeitet und hab ein Studio hier geleitet.

00:01:34: Dann habe ich eine DJ-Karriere als DJ Boulevard, wo da war ich zum Beispiel.

00:01:38: auch bin ich immer noch beim Radio Sender Big FM tätig und habe viele Jahre in verschiedenen Clubs aufgelegt.

00:01:43: Tue das immer noch und mittlerweile auch sehr viel im Sportkontext.

00:01:46: Und dann bin ich auch noch Stadtrat Bülent Hetzticker in Heideberg.

00:01:49: Das heißt, ich bin auch noch im Gemeinderat tätig.

00:01:53: Und für manche Leute bin ich einfach Bülend Abi weil die mich irgendwie als ältere Respektperson so ansprechen ja

00:01:59: Ja, voll schön.

00:02:01: Das ist voll krass!

00:02:01: Ich finde das sind irgendwie total die ich liebe.

00:02:03: ja Kontraste und das was du gerade so beschreibst sind ja extrem viele Kontrasten in einem.

00:02:08: also auf der einen Seite so DJ Musikproduktion dann Nachtleben dann auf einmal aber Politik wie wie managest du diesen Spagat?

00:02:16: Und ich meine es hast jetzt nicht erwähnt aber da bist du auch noch Papa was er auch noch krass ist.

00:02:20: Jawoll Genau Wie managst du diesen spagat?

00:02:24: und auch dein Energiehaushalt?

00:02:26: Also was für manche Leute so krasse Unterschiede sind, ist halt für mich irgendwie ganz normal ein geradeaus Leben.

00:02:30: Es wird halt von vielen dann so wahrgenommen weil sie denken wow wie kriegst du das alles unter einen Hut?

00:02:34: Für mich ist es irgendwie totale Normalität und ich bin auch irgendwie... Ich bin ja auch das Kind von Einwanderern und bin dann mit einer alleinerziehenden Mutter groß geworden.

00:02:44: Das heißt diese Sachen Managing viele Dinge unter einen Hut bringen habe ich schon von Kindesbeinen an gelernt.

00:02:49: Das ist eine ganz krasste Normalität für mich ständig mit neuen mit neuen Umständen umgehen zu müssen, nicht daran zu verzweifeln.

00:02:57: Und wie du schon erwähnt hast ich bin auch Vater von vier Töchtern, vier wunderbare Töchter und die sind auch sehr challenging manchmal.

00:03:03: aber all das ist irgendwie so normal für mich irgendwie aufzustehen und morgens zu schauen okay was steht denn heute alles auf dem Plan?

00:03:10: Was gibt es zu tun?

00:03:11: und dann werden einfach Lösungen gesucht und gefunden.

00:03:14: Also das passiert, ist für mich eine ganz normale gerade Ausstrecke eigentlich was manche Leute dann irgendwie so immer bewundern und sagen wow wie kriegst du das alles unter einen Hut?

00:03:23: Für mich ist das die gelebte Normalität seit ich auf der Welt bin.

00:03:27: Ja krass!

00:03:27: Du brauchst es wahrscheinlich auch oder?

00:03:30: Also fällst dir einfach abzuschalten?

00:03:32: Ich weiß nicht... Es ist wirklich in meiner Kindheit verankert wenn du Als Kind eine allein entziehenen Mutter, die auch noch viel in prekären Jobs gearbeitet hat.

00:03:42: Viel alleine bist und viele Dinge allein auf die Kette kriegen muss dann lernst du einfach sehr früh verzweifeln ist keine Option sondern du lernest Dinge irgendwie aus dem Weg zu räumen oder Wege zu finden, die vielleicht noch nicht für dich gelegt wurden und einfach so Lösungen zu finden.

00:04:01: diese ganzen Dinge, die ich in meiner Kindheit gelernt habe.

00:04:04: Die hab' ich irgendwie so völlig selbstverständlich mit reingenommen... ...in meinen Job, in die Kommunalpolitik, in der ich jetzt drin bin und merke dass sich irgendwie sehr, sehr lösungsorientiert arbeite weil ich das einfach als Kind musste!

00:04:15: Weil wenn du das nicht gemacht hast dann warst du einfach außen vor und musst es einfach Wege finden, die vielleicht für dich nicht angelegt waren.

00:04:21: Und ja, ich glaube, das verwundert die Leute immer Dass ich auch in Situationen, in denen vielleicht andere eher verzweifeln würden.

00:04:30: Dann gucken wir mal, da kriegen wir schon irgendwie

00:04:32: gelöst.".

00:04:33: Ja ja voll!

00:04:34: Das ist so die sogenannte Resilienz.

00:04:35: ne?

00:04:36: Ich hör das total oft... ich hab mich jetzt gerade bei dir gefragt, glaubst du dass deine Maginalisierung also der Fakt, dass du eben auch Sohn von einer Mutter bist, die aus der Türkei stand

00:04:45: etc.,

00:04:47: größeren Einfluss auf dich hatte oder der Fak, dass sie alleine erziehen war?

00:04:51: Das war eine Kombination aus Beidem.

00:04:53: Also du wirst als Kind in so eine Welt reingeschoben in der du quasi von deiner mutter die dich über alles liebt die alles tut für dich die wirklich dir hat den drei jobs gearbeitet immer prekär, immer am limit und auch immer alles in die schulden finanziert.

00:05:09: Und gleichzeitig bist du draußen und versuchst alle diese dinge die vielleicht durch deinen namen durch deine herkunft irgendwie dir in den weg gestellt werden aus dem weg zu räumen.

00:05:17: und beides kombiniert sich zusammen und du lernst einfach früh Auch in Zusammenarbeit mit den Kids, mit denen du aufwächst.

00:05:25: Wie habt ihr das gemacht?

00:05:27: Wir haben die Probleme gelöst und das ist irgendwie etwas was dann zu deinem ganz normalen Ich wird also... Man macht es gar nicht bewusst aber beide Dinge kombiniert diese Umstände in die man da reinfällt.

00:05:45: Diese beiden kombinieren machen dann den Menschen aus der du später bist.

00:05:53: Am sechsten und zwanzigsten November ist die Work Awesome in Berlin.

00:05:56: Und ich bin ab elf Uhr am Brandeinsstand vor Ort!

00:05:59: Wenn ihr auch kommt oder Lust auf ein persönliches Gespräch habt, kommt unbedingt vorbei – Ich würde mich mega freundlich mit euch auszutauschen.

00:06:05: Mit dem Rabattcode awesome-fünfzehn bekommt ihr fünfzehn Prozent auf euer Ticket.

00:06:09: Vielleicht sehen wir uns da dort?

00:06:11: Das wäre ziemlich awesome!

00:06:12: Bis bald!

00:06:20: unterschiedliche Maginalisierung haben und immer wieder eigentlich das gleiche bemerke, dass uns alle irgendwie so zwei Sachen eint.

00:06:30: Einmal der große Wunsch sich zugehörig fühlen zu dürfen also zu irgendwas dazugehören was uns ja immer vermittelt wird es wir's nicht tun und auf der anderen Seite aber auch einen riesen Resilienzfaktor zu haben also dieses immer nach Lösung zu suchen und nie aufzugeben und das ist ja unglaublich ermüdend ich kenne das aus eigener Erfahrung ein bisschen also auf den Schultern wiegen kann.

00:06:51: Weil du ja immer irgendwie gegen Windmühlen ankämpfst und weil das das Thema nun auch ist, wie es ist... Das brauche ich dir nicht erzählen!

00:06:57: Du sitzt ja genau in den Stellen eigentlich wo du heute viel Einfluss haben kannst.

00:07:01: aber das hattest du als Kind ja nicht.

00:07:02: und ich finde wenn man halt eben diesen Einfluß nicht hat und das Gefühl hat man muss immer gegen die Windmüllen kämpfen so dann drückt ein das halt irgendwann auch mal runter.

00:07:09: Wie hast du dich da immer wieder rausgezogen?

00:07:11: Also wirklich der Blick einfach nach vorne und der bewusste Wunsch, auch irgendwie ein besseres Leben haben zu können.

00:07:17: oder was hat dir geholfen, dich da ja immer wieder nach oben zu holen?

00:07:22: Ich glaube meine Mutter ist da ein ganz gutes Vorbild für mich immer gewesen weil sie hat wirklich aus den dunkelsten Stunden heraus immer so eine... Optimus muss ausgestrahlt und hat trotzdem immer weiter gemacht, weitergekämpft.

00:07:35: Man muss sich das vor so vorstellen als wenn mein Vater sie verlassen hat.

00:07:39: da war ich noch nicht mal eins und die konnte nicht richtig Deutsch, die hatte keine richtigen Aussichten.

00:07:43: dann eigentlich war so... Die Aussicht eher dass sie zurück in die Türkei geht in das Haus ihrer Eltern.

00:07:50: aber sie hat einfach so eine Kraft entwickelt so eine Sturheit und er gesagt, nein ich will das hier schaffen.

00:07:56: Ich will alles durchstehen!

00:07:58: Ich werde Deutsch lernen, ich werde einen Führerschein machen, ein Job finden... damit mein Sohn hier eine bessere Aussicht hat etwas zu erreichen Und allein zu sehen wie meine Mutter sich durchgekämpft hat Wie viele Hürden sie überwunden hat?

00:08:14: Wie gut Sie die Sprache gelernt haben?

00:08:16: Wie gute sie sich hier zurechtgefunden hat.

00:08:18: Das ist schon so ein Vorbild für mich gewesen aber zu sehen was für Obsticles man überwinden kann.

00:08:24: Und das war schon immer die große Motivation für mich und auch jetzt im Alter, meine Mutter hat so viel gearbeitet oder hat so viele körperliche Beschwerden sieht jetzt nicht mehr und ist trotzdem einfach eine der gut gelauntesten Menschen, die ich kenne, die es wirklich geschafft hat all das zu überwenden und ist immer noch so positiv geht so voran, also dass es so ein Fels in meinem Leben, die mich immer wieder inspiriert hat zu sagen hey das gibt keinen Grund warum du an Dingen scheitern solltest.

00:08:55: Du musst immer bereit sein weiterzugehen und klar wie wenn ich mich jetzt manchmal setze man sich hin denke oh welche Dinge haben wir eigentlich überstanden was haben wir alles überwunden?

00:09:04: So dann kann auch schon mal so mulmig werden.

00:09:08: Das ist wirklich eigentlich traurig.

00:09:10: aber das positive zu sehen, aber die Fähigkeit zu haben sagen wir haben Dinge geschaffen können ich habe eine Familie aufgebaut.

00:09:16: Wir haben auch etwas worauf ihr stolz sein könnt und die Kinder gehen auf die Schulen und bringen gute Noten nach Hause.

00:09:22: und wir haben uns etwas aufgebaut wovon wir leben können?

00:09:25: Das ist einfach diese positiven dinge zu sehen einfach zu schauen was man erschaffen hat was man er schaffen kann.

00:09:31: dass treibt mich voran

00:09:33: Ja, voll.

00:09:34: Also macht total Sinn und ich find das wahnsinnig beeindruckend was du da mit deiner Mutter beschreibst oder auch mit eurem Großwerden.

00:09:43: Zumal ja... Ich hab da gerade heute irgendwie drüber nachgedacht ne?

00:09:47: Alleinerziehende, was die eigentlich für eine Mammut-Aufgabe haben.

00:09:49: Und dann noch mit einer Marginalisierung und ich mag da nicht so drauf rumhacken, darum geht es gar nicht.

00:09:54: Aber ich weiß einfach das ist in unserer Gesellschaft immer noch ein Riesenproblem darstellt.

00:09:57: Ich mag mir das gar nicht ausmalen wie's eben vor ein paar Jahren, paar Jahrzehnten vielleicht noch war und deine Mutter sich dadurch geboxt hat.

00:10:04: Das ist wahnsinnig beeindruckend!

00:10:06: Eigentlich nahezu unmöglich zu bewältigen.

00:10:09: also von daher echt Schapon.

00:10:10: Danke dass du dir Geschichte teilst.

00:10:14: Jetzt würde ich gerne noch mal so ein bisschen vor die Geschichte gehen.

00:10:16: Und zwar wenn du jetzt hast ja gerade selber erzählt, du bist Musikproduzent gewesen bis selber als DJ auch unterwegs, als sehr bekannter DJ wo bemerkt auch und wenn du einen Track wählen müsstest der dich als Mensch am besten beschreibt.

00:10:29: Welcher wär das?

00:10:30: Und was sagt er über dich aus?

00:10:32: Also erstmal als DJ benutzt du Musik um etwas zu schaffen.

00:10:36: Das heißt man sollte sie als DJ nicht so sehr in Musik verlieben.

00:10:39: Man sollte immer bereit sein dieses Instrument die Lieder der anderen Leute zu benutzen, um etwas zu erschaffen in einem Raum oder auf einen Platz.

00:10:48: Deswegen habe ich auch noch nie so richtig Lieblingslider gehabt.

00:10:50: aber ich glaube wenn ich ein Künstler raussuchen müsste, der so bestimmte Songs gemacht hat, die ich wirklich sehr fühle ist dann wahrscheinlich Tupac Shakur einfach.

00:10:57: Der viele Songs hatte, die manchmal wütend sind, manchmal Hoffnungen verbreiten, manchmal einfach auch aggressiv sind.

00:11:03: Ich glaub' die Songs von ihm sowas wie Changes.

00:11:06: Mal bin ich das, mal bin vielleicht California Love.

00:11:09: Manchmal bin ich vielleicht duvorlauf.

00:11:10: also es sind verschiedene Songs die ich da wirklich... Wo ich mich selbst wieder finde wo ich etwas fühle, wo ich denke ja das macht mir Hoffnung oder dass das spiegelt meine Wut wider?

00:11:19: Oder das ist irgendwie etwas was sich auch gerne ändern würde.

00:11:23: Also so Two Park Changes zum Beispiel Das werde ich echt nicht sagen Der würde mich vielleicht gut beschreiben

00:11:29: Ein Classic.

00:11:30: Ich hab das neulich schon mal jemanden gefragt und dann wurden ein paar Songs genannt, die nicht sofort mit mir geklickt haben, wo ich nicht sofort wusste.

00:11:36: so was ist es noch mal?

00:11:37: Dann muss sich im Nachgang reinhin und dann kam's natürlich.

00:11:39: aber Changes kennt natürlich jeder also zumindest aus meiner Generation wahrscheinlich.

00:11:46: Jetzt finde ich das ganz spannend was du gerade gesagt hast.

00:11:47: als DJ benutzt du Musik als Instrument.

00:11:50: Das find' ich ja so krass weil äh...Ich liebe Musik Und ich hör ganz viel Musik.

00:11:58: Ich liebe Musik nur dann sozusagen, wenn ich die Lieder und Tracks höre, die ich gerne mag.

00:12:02: Und ich habe gerade gesagt wie schwer mir das fallen würde als DJ zu arbeiten und eben Musik als Instrument zu sehen und nicht nur die Tracks zu spielen, die es selber gerne mag.

00:12:12: also ist das einfach?

00:12:14: Das solltest du als DJ auf jeden Fall mitbringen, weil wenn du zu verliebt bist selbst in Musik und so sehr dein Ding dann bist du sehr sehr krass in deinem Genre.

00:12:21: Und dann wirst du wahrscheinlich nicht so eine breite Masse erreichen.

00:12:23: mir war es eigentlich immer wichtig möglichst viele Menschen mitzunehmen.

00:12:26: ist überhaupt also so ein... ein Credo in meinem Leben immer zu schauen, Menschen zu vereinen.

00:12:32: Und deswegen habe ich auch gerne in großen Clubs gespielt wo auch gemischte Musik gespielt wurde.

00:12:36: das hat mir immer sehr viel Spaß gemacht zu schauen wie hole ich die eine Gruppe aus der einen Ecke ab und wie schaffe ich es die Gruppe von der anderen Ecke irgendwie auch zu aktivieren also Musik zu spielen die Brücken baut?

00:12:48: Das ist die Psychologie die ich eigentlich am liebsten mag beim Auflegen und dass ist auch etwas was ich mitgenommen habe in meine Stadtratsarbeit.

00:12:56: Wie kriege ich die Menschen zusammen vermeintlich völlig unversöhnliche in verschiedenen Ecken stehen.

00:13:01: Und glaub der DJ ist genau der Richtige dafür, weil du schaffst es in einen Raum zu gehen wo vielleicht tausend, zweitausend Menschen manchmal drin waren oder noch mehr?

00:13:10: Oder auch in kleinen Clubs wie vielleicht vor achtzig oder hundert Leute rumstehen.

00:13:14: Deine Aufgabe ist es den gemeinsamen Nenner zu finden!

00:13:17: Das ist Psychologie, das ist wirklich etwas was du drauf haben musst.

00:13:21: Du kannst nicht sagen okay ich bespiele jetzt nur die eine Ecke dann wird es keine gute Party, dann wird das keine gute Veranstaltung.

00:13:26: also versuchen DJs immer in solchen Situationen rauszukriegen.

00:13:31: was ist eigentlich so wie?

00:13:33: welche Brücken kann ich bauen musikalisch und stimmungsmäßig?

00:13:35: Was kann ich hier reinbringen?

00:13:37: Was wird alle Leute gemeinsam irgendwie dazu bringen auf der Tanzfläche gemeinsam abzugehen?

00:13:42: Ja

00:13:42: mega mega cool am Puls.

00:13:44: Fällt mir mega schwer, muss ich ehrlich sagen weil das einfach schwierig finde manchmal auf bestimmte Meinungen Haltungen etc.

00:13:56: einzugehen und gleichzeitig weiß ich natürlich dass wir irgendwie offen für unser gegenüber sein dürfen um überhaupt die Chance darauf zu haben, einen gemeinsamen Nende irgendwann zu finden.

00:14:08: Wie sieht das konkret jetzt in deiner Arbeit auch gerade in der Politik aus?

00:14:13: Wie baust du da konkret Brücken?

00:14:15: also was liegt dir am Herzen wenn du an deine Arbeit als Stadtrat denkst?

00:14:20: Am meisten gefällt mir die Arbeit wirklich mit Menschen und sich erstmal anhören, was die so zu erzählen haben.

00:14:28: Warum haben sie diese Meinung?

00:14:29: Also es gibt natürlich Leute, die sind völlig verbohrt da wirst du nicht viel erreichen.

00:14:32: aber die allermeisten kommen einfach mit einer Meinung dahin und haben auch eine Meinung über dich, die vielleicht gar nicht stimmt.

00:14:38: also erst mal zuhören mit den Menschen ins Gespräch kommen und dann auch wenn die manchmal... also zum Beispiel es gibt Bürgersprechstunden, da geht man halt hin in den Stadtteilen und da kommen manchmal Leute die haben diesen voller Wut.

00:14:51: Die haben irgendein Thema beschäftigt, die komplett.

00:14:55: Dann gehe ich denen nicht erst mal konfrontativ entgegen, sondern kann man ja erzählen mir dein Problem und dann lass sich die mal erzählen.

00:15:01: Und dann lassen sie ihre ganze Energie dort raus und... ...dann höre ich mir das an und versuche mich in die Person rein zu versetzen.

00:15:06: Denken wir warum?

00:15:07: Warum kommt diese Person hierher?

00:15:09: was...?

00:15:09: Was kann ich davon verstehen und was davon würde ich genauso sehen wenn ich in der Situation wäre?

00:15:16: Und dann gehe ich mit den Leuten ins Gespräch und sagt okay gut und wie lösen wir das?

00:15:19: Wo ist denn ein Lösungsansatz?

00:15:22: Was würdest du mir denn jetzt mit auf den Weg geben?

00:15:23: Was kann ich dir für dich

00:15:24: tun?".

00:15:25: Und schreibe mit und versuche das irgendwie so greifbar zu machen.

00:15:28: Und ich merke, dann geht meistens bei den Leuten so ein, zwei Stufen des Wutlevel runter.

00:15:34: die sind dann so okay.

00:15:35: da hört man wirklich jemand zu der schreibt sogar mit.

00:15:37: Der nimmt das was ich hier sage wirklich ernst.

00:15:40: also da habe ich wirklich schon die lustigsten Erlebnisse gehabt in Stadtteilen wo Menschen wirklich kamen und dabei voller Wut waren.

00:15:47: und die Situation und dass und das nervt mich so krass halbe Stunde später, dreiviertelstunde später gehen wir da irgendwie total gut wieder auseinander.

00:15:56: Also den Gegenüber verstehen zu verstehen.

00:16:00: warum hat er diese Meinung?

00:16:02: Warum ist der so wut geladen oder sie und ja das ist irgendwie so also dieser Austausch mit Menschen und dieses ganz normalen Problem sich anhören weil ich Ich kenne das selbst.

00:16:15: Es sind manchmal wirklich kleinsten Kleinigkeiten, die einen aufhalten oder nerven im Alltag und dann ärgert man sich, warum kommt nicht jemand und kümmert sich darum?

00:16:23: Das ist doch gar nicht so großes Problem!

00:16:25: Und diese kleinen Dinge auch ernst zu nehmen... ...das ist mein Ansatz und ich habe damit nur gute Erfahrungen gemacht.

00:16:31: Ja voll aber ich glaube dass du damit auch sehr alleine fährst.

00:16:36: also weil du einer von wenigen wahrscheinlich bist wie du gerade so schön gesagt hast eben Erfahrung gemacht hast.

00:16:42: Du kannst die Bedürfnisse, die Probleme, die Belange von den Menschen aus der Mitte der Gesellschaft sehr gut verstehen.

00:16:48: Weil du sie selber gelebt hast.

00:16:49: Viele, die heute in einer Politik sitzen ganz weit oben, haben diese Probleme nicht gehabt.

00:16:53: Die haben diese Herausforderung nicht gelebt und noch weniger haben sie Interesse sich mit Menschen, die nicht ihres gleichen Anführungsstrichen sind auseinanderzusetzen.

00:17:00: Und ich glaube das ist ein Riesenproblem!

00:17:01: Wie schätzt du das ein?

00:17:02: Würdest du dir wünschen dass eben auch der Kanzer beispielsweise und andere große Politikerinnen, die bei uns hier in der Gesellschaft leben einfach sich das mal zu Herzen nehmen würden was du sagst.

00:17:11: ganz simpel in die Menschen reingehen und zuhören.

00:17:15: Das ist wahrscheinlich das große Problem von Friedrich Merz, dass er einfach noch nie in solchen Situationen gelebt hat.

00:17:20: Er kann es nicht fühlen weil er einfach nie in dieser Situation war.

00:17:24: und dann stellt er sich hin und sagt ja da gibt's kleine Pashas die können sich nicht benehmen.

00:17:28: und ich habe das Gefühl er is der Pasha der da sitzt und doch nie in diesen Situationen war sondern immer gepäppelt wurde und immer aus diesem problem herausgehalten wurde.

00:17:37: und dann denke ich mir so wow der hat das noch nie erlebt.

00:17:39: Kann man ihm das vorwerfen wenn er halt von Geburt an irgendwie einen goldenen Löffel im Mund hatte?

00:17:44: Aber den hatten wir halt nicht.

00:17:45: Wir mussten halt bestimmte Dinge erfahren.

00:17:47: und vor allem, wenn du als Kind von Einwanderern aufwächst, merkst du, bestimmte Wege sind für dich gar nicht angelegt worden?

00:17:53: Die gibt es gar nicht!

00:17:55: Sie existieren gar nicht.

00:17:56: Bestimmte Wegen im Schulsystem wurden einfach nicht für dich gemacht oder für deine Familie.

00:18:01: Weil ihr wurdet nie mitgedacht, ihr wurdet nie mitgefühlt.

00:18:04: Und diesen Input muss ich jetzt einbringen, dem müssen wir jetzt einbrechen.

00:18:08: Da gibt das ja viele... Ich bin längst nicht alleine aber wir müssen uns immer mehr Stimme verschaffen gegenseitig, unsere Arbeit gegenseitsichtbar machen und zeigen.

00:18:17: das ist wichtig.

00:18:18: Mittlerweile gibt es Schriftsteller mittlerweile gibt es Regisseure mittlerweile gibt Es viele Menschen auch in der Politik die versuchen unsere Punkte sichtbar zu machen und vor allem Zu zeigen dass es ein Mehrwert ist, dass sein Riesengewinn für die Gesellschaft ist.

00:18:31: gestern Abend war ich auf einer Veranstaltung der Gewerkschaften.

00:18:35: da ging's viel um Gerechtigkeit Bildungsgerechtigkeit wie der Weg durch die Bildung auch in Führungspositionen geebnet wird.

00:18:46: Und dass in Füllungspositionen halt viel zu wenig Arbeiterkinder sind, weil sie dort einfach nicht landen.

00:18:51: und dann kam irgendwann die Frage auf ja aber machen die das dann überhaupt besser?

00:18:55: Gute Frage.

00:18:55: Machen die das besser?

00:18:56: Müssen sie das besser machen, aber Sie sind aus einer anderen Schicht.

00:19:00: Sie bringen eine andere Sichtweise mit rein, die vielleicht nicht abgebildet wird wenn immer nur Leute aus elitären Schul- und Familienverhältnissen dort landen, die einfach dieses Gefühl dafür nicht haben.

00:19:11: Einfach nicht wissen was bedeutet es überhaupt bestimmte Alltagsprobleme überwinden zu müssen oder immer wieder an einer bestimmten Hürde zu scheitern.

00:19:19: Was bedeutet das für die Menschen?

00:19:20: Was macht das mit denen Menschen ab, die einfach immer oben sind und sich dann einfach gegenseitig schützen.

00:19:27: Und dafür sorgen das da oben so eine Oberschicht entsteht, die auch wiederum für Frust sorgt nach unten weil sie einfach nicht die Gefühle der Leute oder die Probleme der Leute da unten überkennen und angehen können.

00:19:39: ja Und da müssen wir halt alle gemeinsam schauen, dass diese Gap, die dazwischen in dieser Lücke nicht zu groß wird.

00:19:46: Sondern dass wir die versuchen zu schließen und das beginnt schon im Kindesalter.

00:19:51: Dass man nicht Kinder zu früh aussortiert aus dem System, dass man ihnen faire Chancen gibt... Wenn sie dabei sind irgendwann in diesen oberen Räumen, in diesen Entscheidungsräumen dann ändert sich automatisch etwas.

00:20:03: Es ändert dich sobald eine Frau mit am Tisch sitzt, ändert die ganze Stimmung.

00:20:07: Es endet sich natürlich auch das ganze Verhalten und die Stimmung wenn migrantische Menschen dort mit am Tisch sitzen weil sie einfach Sachen sagen die vorher sonst nicht gesagt wurden.

00:20:16: Und weil Sie auf bestimmte Dinge hinweisen können.

00:20:19: und dass ist kein Nachteil sondern... Unglaublicher Vorteil, das mit am Tisch zu haben und dass es mitgedacht wird.

00:20:26: Weil die Gesellschaft an sich komplett besser macht!

00:20:29: Und das müssen die Leute erst mal verstehen.

00:20:32: Voll voll!

00:20:32: Und natürlich auch prägt ne?

00:20:34: Also dadurch entsteht ja Gesellschaft.

00:20:35: Dadurch entsteht auch die Narrative, die wir in unseren Köpfen tragen.

00:20:39: Ich hab so viele Gedanken gerade.

00:20:40: ich find total krass.

00:20:41: also erstmal finde ich das schon hardcore diskriminierend wenn überhaupt im in so einem Kontext dann immer diese Frage kommt Ja, aber sind die denn dann besser?

00:20:49: Das regt mich immer schon auf.

00:20:50: Weil ich mir denke was unterstellt du damit?

00:20:51: also wenn du diese Frage stellst unterstellst du doch damit dass du der Meinung bist das sie nicht besser sein könnten und dass der Grund dafür ist dass sie nicht da oben sind.

00:20:59: Aber das ist doch schon in sich diskriminierend.

00:21:00: Also weiß Das stört mich irgendwie immer diese Frage, aber sind die besser?

00:21:05: Dann bin ich voll bei dir.

00:21:05: Ich finde nicht dass es darum geht ob jemand besser ist weil ich auch nicht sagen würde das wir aktuell in einem Stand sind wo Leute in Führungspositionen sitzen die alle gut sind überhaupt nicht.

00:21:13: Wir brauchen nur die Politik gucken und da sehen wir das Malheur und ich glaube wir sollten eher fragen wenn wir nicht schon früher die Strukturen so gelegt hätten dass eben jeder die Chance hat in eine gewisse Position zu kommen ob wir dann vielleicht jetzt heute an dem anderen Punkt wären das ist die frage die wir uns stellen dürfen.

00:21:28: und das dritte ein Beispiel dazu Und gerade neulich mit einem Bekannten gesprochen, die mir wiederum von einem Bekannter erzählt hat dessen.

00:21:36: Fünfzehnjähriges Kind jetzt nach Harbert geht irgendwie und dort ein Summer sorry Winter Camp macht.

00:21:44: für zwei Wochen in den Ferien raten wir wie teuer das ist.

00:21:50: Ich schätze mal so zwanzigtausend Dollar

00:21:52: ja genau fünfzehnt fünfzehn K Wirklich, ich wär fast drüber jetzt umgekippt.

00:21:58: Und mein erster Gedanke war ... Das tut mir auch manchmal so leid, weil ich merke, ich kann mich mit solchen Menschen nicht mehr freuen.

00:22:05: Obwohl ich's natürlich auch müsste, weil jeder hat ja irgendwie auch verdient, aber worauf ich hinaus möchte ist.

00:22:10: Das ist ein perfektes Beispiel für die Ungerechtigkeit und nicht vorhandener Chancengerechtigkeit in unserer Gesellschaft.

00:22:15: Diese Person kann das machen, weil sie Eltern hat, die verdammt viel Kohle haben.

00:22:19: Alle Kinder, die keine Eltern haben, die sich das leisten können, werden niemals die Chance haben.

00:22:24: So einen Summer-Winter-Whatever-Course irgendwo ... Und sich damit gleichzeitig auch, und jetzt kommt es die Synergien zu holen mit Leuten auseinanderzusetzen.

00:22:34: Die auch alle da oben mitschwimmen, die auch alle Kohle haben, die gut vernetzt sind... ...und im besten Fall nachdem die Person an das Abi gemacht hat direkt schon bei UNEL mit Anfang zur Arbeit.

00:22:45: Das ist nämlich genau das Netzwerk, wovon du redest.

00:22:47: Also dieser Zugang fehlt einfach nicht da.

00:22:50: und dann zu sagen dass wir in einer Welt leben wo alle Menschen die nur hart genug arbeiten alles erreichen können ist einfach Bullshit!

00:22:57: Das existiert nicht und das müssen wir anerkennen.

00:23:01: Da habe ich noch ein viel niederschwelligeres Beispiel aus meinem Leben.

00:23:06: Ich hatte in meiner Schulklasse damals Freunde, deren Eltern waren eine Elternteite aus Schweden und andere Freundin.

00:23:14: die waren aus Dänemark und die sind irgendwann mal auf die Idee gekommen, hey Bülent komm deine Mama kann ja jetzt die Urlaube so nicht so groß finanzieren kommt auch einfach mit uns mit.

00:23:21: wir nehmen dich mit im Sommerurlaub dann fahren wir über Dänemark nach Schweden.

00:23:26: oder kannst du mit uns Urlaub machen?

00:23:28: Und dann kommen wir, nehm ich auch wieder so, hockst du einfach mit ins Auto!

00:23:31: Oder wer ist mit?

00:23:32: Und da hab ich mich mit reingesetzt.

00:23:33: Ich glaub, es waren neun Jahre oder so.

00:23:35: und dann sind wir losgefahren und irgendwie nach zwölf-dreizehn Stunden waren wir an der dänischen Grenze.

00:23:39: und dann hat er die Grenze sozusagen aus aller Ausweise her.

00:23:42: und dann stellte sich raus ja, der Bülent hat gar kein Visum dafür.

00:23:45: Der Bülend hatte ja im türkischen Pass damals noch gehabt.

00:23:47: Oh no!

00:23:48: Ja, dann stand ich da... Dann waren wir alle drei aus derselben Klasse mit den Eltern und so weiter.

00:23:53: Und dann sagt der Zöllner, so ja, er kommt da nicht rein!

00:23:55: Und dann stand ich an der Grenze alleine als neunjähriges Kind... ...und dann hieß es, der kann hier nicht rein, der muss wieder zurück.

00:24:02: Und da musste ich da wieder aussteigen.

00:24:04: Da war so ein Moment in meinem Leben, wo ich dachte okay... Ich bin nicht so wie die!

00:24:09: Die dürfen Dinge, die ich nicht darf und dann musste ich mit dem Zug alleine wieder zurückfahren.

00:24:14: Das hat auch was mit mir gemacht.

00:24:15: also damals war so einen Moment durch das so wow ok wir können und die Eltern haben wirklich alles versucht an der Grenze.

00:24:22: Also ich weiß auch die Mutter meiner dänischen Freundin, die ja da wirklich geheult trotz von Wasser, die hat alles versucht.

00:24:28: Bitte ich übernehme die komplette Verantwortung.

00:24:32: Telefoniert und alles wurde versucht.

00:24:34: Eine Grenze, aber es war genadenlos auf gar keinen Fall.

00:24:37: Der kommt ja auf gar kein Fall rein.

00:24:39: Wer hat einen türkischen Pass ist unmöglich und denkbar.

00:24:42: Ja.

00:24:44: Boah das ist ja mega krass tut mir total leid.

00:24:48: Sind das so oder ist das so einer der Momente den du rauspicken würdest?

00:24:53: Und sagen würdest... Das hat dich irgendwie geprägt um heute auch in der Politik zu sein.

00:25:00: Es war zumindest mal ein moment, wo du schon als kind irgendwie so eine harte entscheidend sind.

00:25:04: Da sind erwachsene Menschen vor dir und da sind lauter Erwachsene.

00:25:07: Du erwartest doch als Kind von Erwachsenen die werden schon irgendeine Lösung finden?

00:25:11: Die werden schon irgendwas machen und es klappt nicht!

00:25:13: Das geht nicht!

00:25:13: Die kriegen das nicht gebacken für dich Und dass ist echt so einen Moment wo du denkst okay gut auch da muss ich schauen was ich eigene Wege finde.

00:25:20: Ich muss irgendwie schauen dass sich im Leben etwas selbst in den... regeln kann, in den Griff nehmen muss und bestimmte Situationen werden für dich nicht von anderen geregelt werden.

00:25:31: Das ist glaube ich etwas was sich da raus mitgenommen habe und Ich würde gerne andere Menschen davor beschützen einfach sagen hey ich muss selbst schauen dass sich die gesellschaft so Prägel oder dass ich Regelungen und Gesetze so mitbestimmen kann, dass sowas anderen Menschen nicht passiert.

00:25:47: Weil ich war ein... Ich bin ein Junge der in Heidelberg geboren ist.

00:25:50: Ich bin wirklich hier komplett verankert.

00:25:53: das es meine Heimat, das ist mein Land.

00:25:55: Und natürlich habe ich später auch die Einbürgerung gemacht.

00:25:58: und zu dem Zeitpunkt in dem ich mich eingebürgert habe da war das ein Hopp- oder Top.

00:26:02: Da gab's keine doppelte Staatsbürgerschaft.

00:26:04: Da hieß es entweder du entscheidest dich voll dafür Und für mich war klar, ich bin hier geboren.

00:26:09: Ich möchte ihr mitgestalten und natürlich werde ich die deutsche Staatsangehörigkeit abnehmen auch wenn ich dafür die Staatsangeheuerkeit meiner Eltern aufgeben musste.

00:26:17: mein Jahrhunderte lange Tradition habe ich einfach aufgegeben.

00:26:20: Ich hab das wirklich hergegeben dafür um deutsche Staatsbürger sein zu dürfen.

00:26:26: Also jeder andere, der hier geboren ist musste nichts dafür aufgeben.

00:26:29: Ich habe das dafür aufgegeben und das war ein großer Schritt.

00:26:31: Das war nicht einfach zu vermitteln auch in deinem Freundeskreis.

00:26:35: Es ist erst mal eine Diskussion okay?

00:26:37: Du machst das aber für mich war es wichtig und ja also... ...das ist auch ein Teil meiner Identität dass ich diese Entscheidung getroffen habe und das möchte ich aber auch dann genauso gewürdigt sehen.

00:26:48: Wenn man den Menschen sagt entscheide dich hopp oder top!

00:26:52: dann kannst du nicht später kommen und sagen, ja aber du bist der Deutsche mit dem Migrationshintergrund.

00:26:57: Als ich das Wort zum ersten Mal gehört habe, das war auch so ein richtiger Peitschentieb.

00:27:00: Achso ist das!

00:27:02: Ihr habt mich also irgendwo in irgendeiner Datei erfasst und mit einem Knopfdruck auf den Computer könnt ihr dir sofort raussortieren.

00:27:08: Das ist der Bühlen, das ist aber der, der früher mal nicht Deutsch war.

00:27:13: Das kann man nicht machen.

00:27:14: Entweder sind wir hopp oder top, so wie es von uns gefordert wurde.

00:27:19: Ja, aber hast Du das Gefühl dass es heute so ist?

00:27:22: Also bist du heute der Deutsche?

00:27:23: Ich bin für mich auf jeden Fall einhundert Prozent der Deutschen.

00:27:26: Für dich, ja!

00:27:27: Genau, für mich und die Leute, die damit ein Problem haben, die müssen an sich arbeiten.

00:27:31: Und ich muss dafür sorgen dass diese Ängste auch genommen werden und ich sorge auch dafür das alle anderen Kids sich so fühlen.

00:27:38: aber ich möchte sie genauso empowern zu sagen hey... Du hast eine Recht darauf, du bist das.

00:27:43: Du hast genau so einen recht mit am Tisch zu sitzen, mitzubestimmen.

00:27:46: niemand kann dich irgendwie aussortieren aufgrund der Abstammung deiner Eltern.

00:27:50: Das ist mein Auftrag.

00:27:53: Amen!

00:27:55: Nee, wirklich nicht... Also ich find das krass und gleichzeitig hab' ich gerade gedacht, ich finds halt auch ultraproblematisch dass wir immer noch in einer Zeit leben wo Chancengerechtigkeit ein individuelles Problem ist oder auch eine individuelle Herausforderung ist.

00:28:08: weil was du ja auch sagst oder was ich zumindest so along the lines ganz viel höre ist, dass du extrem viel Resilienz hier einfach hast Und dass das ja auch etwas ist was andere Kinder heutzutage offensichtlich haben müssen die aus einer sozialen Ungleichheit kommen marginalisiert sind in irgendeiner Art und Weise.

00:28:23: Also immer irgendwie die Aufmentalität, das haben ja nun mal viele nicht, weißt du?

00:28:28: Und das sind dann die, die im Prinzip so vom System feingelassen werden und dann aber die bösen Ausländer, ich sag's bewusst so ne, die böse Auslänger sind als ein Beispiel, die es nicht hinkriegen, die sich nicht integrieren wollen, die irgendwie XYZ nicht machen.

00:28:42: Ich weiß nicht, ich bewege mich da immer wieder.

00:28:43: Weil es natürlich auch irgendwie so ein Führungsthema ist und ich mich ja zum Beispiel auch unter anderem im Kontext von Führungen viel mit Vereinbarkeit auseinandersetzt – ich bin selber Mutter

00:28:51: etc.,

00:28:52: und merke auch da wir schieben diese Herausforderungen die gesellschaftlichen Herausforderungen, die strukturellen Herausforderungen fehlende Chancengerechtigkeit auf jeder Ebene immer auf das Individuum.

00:29:03: Wir sagen immer klär das mal selber löst du das mal für dich.

00:29:05: aber das ist der Grund.

00:29:07: also weißt Du?

00:29:08: Wir wenden alle extrem viel Energie dafür auf Teil sein zu dürfen und auch genauso performen zu dürfen wie alle anderen.

00:29:16: Und sind trotzdem nicht genug, also deswegen habe ich gerade so provokant gefragt bist du denn jetzt der Deutsche?

00:29:20: Weil mir klar ist dass du das eben nicht bist.

00:29:23: Das geht mir nicht in den Kopf rein.

00:29:25: Also wann ist dann mal genug und wann glaubst du haben wir den Punkt erreicht wo du dich entspannt zurücklehnen kannst und sagen kannst meine Arbeit ist total.

00:29:35: Die Gesellschaft hat es gerafft.

00:29:37: Es ist vor allem wichtig den Leuten zu vermitteln die Menschen mit anderen Familiengeschichten, internationaler Familiengeschichte müssen nicht immer wirtschaftlich wertvoll sein.

00:29:47: Das ist glaube ich immer so ein Punkt der mich immer ganz besonders stört wenn in der Diskussion aufkommt ja und wenn wir die Ausländer jetzt alle rausschweißen dann würden unsere Krankenhäuser nicht mehr funktionieren und da wird der Müll nicht mehr abgeholt und dann fährt niemand mehr Taxi!

00:29:58: Ich bin doch kein Wirtschaftswert, ich bin doch ein Mensch mit allem was einen Mensch halt so mitbringt und ich versuche halt immer wieder zu vermitteln.

00:30:07: Auch meine Jungs aus der Emmerzgrundpassage in Heidelberg mit all ihren Problemen, auch die sind ganz genauso Gesellschaft.

00:30:14: Die haben genau so ein Recht da zu sein und ... Mit allen den Problemen ,die sie vielleicht mitbringen oder die die Gesellschaft ihnen in den Weg legt, die sind genauso ernst zu nehmen und sie sind kein Problem sondern sie sind Teil der Gesellschaft.

00:30:26: Sie sind genauso da wie jeder andere auch Und wir können auch mal Blöd sein, wir können auch mal arrogant sein.

00:30:33: Ich war immer schon ein großer Fan von Michel Friedmann wenn er mit seiner arroganten Art irgendwo da aufgetaucht ist und eben die Diskussion so geführt hat wie es ihm halt gefallen hat.

00:30:40: das hat mich echt geprägt weil ich dachte ja man genau so.

00:30:43: Genau so hast du auch das Recht so auftreten zu dürfen.

00:30:46: Du musst nicht irgendwie derjenige sein der kommt und in jedem Raum der Liebe nette ist und immer das tut was die Leute gerne vom guten Ausländer hätten sondern du bist genauso dann einen Teil dieser Gesellschaft die dasselbe Recht rausnehmen kann, wie alle anderen auch.

00:31:03: Warum wird das bei manchen Managern so als absolute Macher-Mentalität wahrgenommen?

00:31:07: Wenn sie super hart mit allen umgehen und wenn meine Jungs aus der Passage genauso tun in ihrem Lebensumfeld ist, dass irgendwie aggressives blödes Verhalten nicht akzeptabel ist.

00:31:18: Wir müssen wirklich kapieren Menschen nicht nach wirtschaftlichem Wert einzuordnen.

00:31:23: Das halte ich für ganz gefährlich.

00:31:26: Und das stört mich wirklich, wenn es immer wieder in der Diskussion auf diesen Wert Menschen kommt.

00:31:31: Dann könnte man ja auch wirklich, das fällt direkt den Rechten und Faschisten überlassen, die einfach sagen, ja ja, die guten Auseinander für die haben wir eine Verwendung, das ist kein Problem wenn die da sind.

00:31:42: aber jeder der sich nicht benimmt, der muss sofort raus.

00:31:45: Das ist keine Grundlage auf der wir arbeiten können.

00:31:47: Wir müssen wirklich alle Menschen hier sind, die in dieser Gesellschaft partizipieren gleich behandeln.

00:31:54: Der Weg ist halt wirklich für manche Leute im Kopf vielleicht noch nicht gegangen, aber meine Aufgabe und die Aufgabe aller Mitstreiter-und-Mitstreiterinnen auf meinem Weg es halt klar zu machen wir sind vollwertige Menschen.

00:32:05: Und zwar von null bis hundert.

00:32:07: also es gibt keinen Bereich den wir überperformen müssen oder indem wir weniger zu tun haben.

00:32:14: Also wenn ich alleine schon schaue was meine Mutter und ihre Freundin einfach die waren ja in so einem die sich so gegenseitig unterstützt haben, mit was für prekären Situationen, die zurechtgekommen sind.

00:32:24: Was für Arbeitsverhältnisse, die ausgehalten haben wie Chefs mit denen umgegangen sind.

00:32:30: Wir waren kleine Kinder wir haben das immer nur am Rande mitbekommen.

00:32:33: Was die teilweise für Beleidigung über sich ergehen lassen mussten?

00:32:36: Was für Arbeitszeiten, wie die teilweise auch übervorteilt wurden mit dem was sie gemacht haben und jetzt im Alter noch nicht mal irgendwie den... die Rente sich erarbeiten konnten, die sie eigentlich verdient hätten.

00:32:49: Das ist wirklich hart mit anzusehen.

00:32:50: und diese Ungerechtigkeit daran zu arbeiten, diese Stellschrauben zu verstellen... das ist auch eine der Aufgaben, die ich mir auf jeden Fall immer auf die Fahne schreibe, diese Menschen nicht zu vergessen, aber die nicht aus dem Fokus zu

00:33:02: verlieren.".

00:33:03: Ja voll.

00:33:04: Und wie realistisch beziehungsweise optimistisch schätzt du das ein?

00:33:08: Weil wir leben ja nun mal irgendwie in einer Leistungsgesellschaft, die und auch an einem Kapitalismus der darauf ausgelegt ist ne dass Menschen eben einen wirtschaftlichen Wert haben und nur die den größten wirtschaftlichem Merd irgendwie in die Gesellschaft legen sind auch wertvoll für uns.

00:33:22: also wenn du jetzt die FDP anguckst oder auch CDU dann würde man meinen wir alle sind Roboter Und ich geb dir total recht, das ist falsch und das merken wir auch gerade.

00:33:32: Ich glaube, dass es mit ein ganz großer Grund wieso unsere Wirtschaft so in der Kehrtwende ist, sagen wir mal so, ein bisschen charmanter formuliert... ...und ich glaube auch, dass wir einen großen Vorteil hätten, wenn wir es genau anders machen würden nämlich genauso wie du's gerade formuliert hast.

00:33:47: aber wie realistisch ist das?

00:33:49: Dass Menschen anfangen uns eben nicht als Wirtschaftsfaktor zu sehen sondern als Menschen.

00:33:56: Also bei mir fängt es einfach immer in meiner direkten Nachbarschaft an.

00:33:59: Wenn ich mittlerweile was verändern will, denke ich mir mal wie verändere ich das beim direktem Nachbarn?

00:34:06: Bei meinen Freunden im Familienumfeld.

00:34:08: Ich versuche nicht das ganz große Rad auf einmal zu drehen weil das frustriert mich nur und ich glaube viele Menschen sind mittlerweile so gestresst an diese großen Themen ungefiltert an sich herangetragen bekommen und damit konfrontiert sind.

00:34:22: Und da wirst du wahrscheinlich erst mal so schnell nichts ändern können, aber du kannst deinen Nachbarn mal fragen wie geht's dir heute?

00:34:27: Kann ich dir was helfen?

00:34:29: Kann Ich dir irgendwas hochtragen?

00:34:30: Brauchst Du vielleicht Hilfe im Garten?

00:34:32: Wie dieser Austausch einfach mit dem direkten Umfeld einfach die Positivität dort aufrechtzuerhalten?

00:34:39: das ist so dieses kleine Flügelschlag den ich daraus geben kann ... kann ich mit den Menschen auch ins Gespräch kommen.

00:34:46: Und dann frage ich vielleicht meinen spanischen Nachbarn von Gegenüber, wie geht es dir heute?

00:34:49: Was macht dein Job?

00:34:50: und ich erzähle mit ihm und er sagt mir ja da das so und so gelaufen... ...und dann krieg ich irgendwie mit welche Probleme er vielleicht hat,... ...kann ihm vielleicht einen Tipp geben oder kann ihm sagen, wie ich das gemacht hätte.

00:35:00: Er kriegt vielleicht mit was ich mache.

00:35:02: Das sind diese ganz kleinen Dinge die ich so rausgebe.

00:35:05: Oder wenn ich halt in irgendwelchen Ausschüssen oder im Gemeinderatssitz einfach die Position meiner Leute, die aus meiner Ecke kommen.

00:35:14: Durch meinen Job bin ich halt wirklich mit vielen Bubbles verknüpft.

00:35:18: Wie gesagt, ich hab in großen Räumen schon gespielt und habe mit viel Leuten zu tun gehabt.

00:35:22: Und diese verschiedenen Blickwinkel irgendwo reinzubringen und zu schauen dass man eine kleine Veränderung schafft weil dieser erste Schritt ist immer das Allerwichtigste.

00:35:32: Du musst einfach schauen bei den Leuten die du ... die auf dich hören, die irgendwie ... Die dir einen Wert zu messen.

00:35:39: Die deine Meinung abgewinnen können.

00:35:42: Diese Leute einfach immer im Kontakt zu halten und ich glaube das passiert immer weniger.

00:35:46: Die Leute sind immer mehr isoliert und haben immer weniger Kontakt mit der echten Welt.

00:35:50: Und dieser Austausch mit deinem direkten Umfeld, mit Menschen mit denen du zusammen kommst dieses Zuhören auch wirklich aktiv zuhören und versuchen zu verstehen warum ist die Person gegenüber so?

00:36:03: Wie kam es dazu?

00:36:05: Das ist mein Ansatz.

00:36:07: Also ich versuche wirklich da meine Positivität rauszugeben und hoffe dann, dass das weitergetragen wird.

00:36:12: aber es scheint in Heidelberg eigentlich ganz gut zu klappen weil ich kriege eigentlich von allen Seiten immer ganz gutes Feedback und die Leute sagen hey Bülern das ist immer total schön irgendwie wie du da reinkommst und mit den Leuten redest oder die Leute abfängst die teilweise echt wütend ankommen.

00:36:28: ja ich hoffe das wird auch in Zukunft weiterhin so klappen.

00:36:31: Ja mega, ich finde das ist ein super super Impuls.

00:36:33: Ich find es wirklich also richtig gut auf den Punkt gebracht dass wir am meisten und am besten da in unseren eigenen Kreisen verändern.

00:36:38: als das große Ratspinnen zu wollen ist megagut.

00:36:41: Jetzt setzt du dich ja mit deiner Arbeit eben auch für die Jugend- und Kulturarbeit bei euch in Heidelberg ein.

00:36:46: Wir haben gerade viel über Jugend gesprochen und über das Mitnehmen der Menschen und ihnen zuzuhören.

00:36:51: Warum sind denn gerade auch so Freipletze, Diskotheken meinetwegen?

00:36:56: Also alles das was Jugendarbeit eben auch fördert in Gesellschaften.

00:36:59: Warum sind diese Orte eben so wichtig für eine Infrastruktur und Teilhabe?

00:37:05: Als ich mit Basketball und so in Berührung kam war der Freiplatz in Appleheim, das ist direkt neben Heidelberg, so mein absoluter Go-to Platz.

00:37:14: Das war der Ort, das war quasi meine Bühne.

00:37:17: da konnte ich einfach hingehen nicht interessiert, wo ich herkomme.

00:37:21: Wo meine Eltern herkommen?

00:37:22: Sondern da bist du auf dem Platz und das ist wirklich... Das ist eine Stage!

00:37:25: Du kannst zeigen was du kannst.

00:37:27: Du kannst dort jeden Tag trainieren.

00:37:28: Du kannst besser werden, du kannst zeigen, was du bist.

00:37:31: Du bist dann quasi... Das is' dann so ne Art Leistung die du erbringen kannst und du kannst zeigen, dass habe ich gelernt, das bin ich und das es direkt, das ist ungefiltert.

00:37:40: Wenn du jemandem im Spiel besiegst oder bestimmte Moves drauf hast, dann bist du das.

00:37:45: Das definiert dich Und das ist etwas was wirklich dann Zugang für alle schafft, da kannst du nicht mit deiner Herkunft etwas verbessern.

00:37:53: Du musst diese Leistung dort bringen und es gibt verschiedene Arten und Weisen ein Spiel gewinnen zu können.

00:38:00: Du muss nicht immer dasselbe tun.

00:38:01: Manche können die Supermoves, manche können gut schießen, manch können gut passen, manchen können einfach das Spielgut lesen und du kannst mit verschiedenen Approaches da rankommen dein Spiel verbessern und du kommst in Kontakt mit normalen Menschen.

00:38:14: Also da kommst du wirklich, da kommen dann die Kinder vor aus den Ärztefamilien oder von Anwaltsfamilingen und genauso die Kids-von Arbeiterfamiliens und dann wird es unterschiedlich gespielt.

00:38:24: Jeder hat eine eigene Art daran zu gehen und das fand ich immer... also da habe ich so viel Zeit verbracht.

00:38:29: Da hab' ich auch die größten Lektionen gelernt meines Lebens.

00:38:33: selber Leute dominiert im Spiel, wurde auch mal dominiert von anderen.

00:38:37: Wir waren auch nahe der amerikanischen Militärbasis PHV die jetzt mittlerweile leider abgezogen sind oder besser gesagt abgezogen und wir dort einen neuen Stadtteil entwickeln.

00:38:48: Da kamen amerikanische Kids plötzlich zu uns und haben da mit uns gespielt.

00:38:50: Die haben wieder ganz anders gespielt, haben eine andere Sprache gesprochen und das waren wirklich Erfahrungen, die mich auf jeden Fall mit geprägt haben.

00:38:58: deswegen war es mir so wichtig, auch in der Kommunalpolitik als ich reinkam.

00:39:04: Da bin ich ja ein bisschen reingestolpert und kam zu einem Zeitpunkt, den ich damals nachgerückt bin erst.

00:39:09: Und dann war das Thema Freiplätze eigentlich überhaupt gar nicht bespielt!

00:39:14: Ich habe gesagt, das könnte man doch mal machen... Mal schauen, wie so ein Top-Antrag über Freipletze in Heidelberg.

00:39:21: Basketballfreipletzer funktioniert und das ist eingeschlagen wie eine Bombe!

00:39:24: Also da haben wir sofort von allen Seiten kam der Resonanz ja endlich sagt dass jemand die Plätze sind im Scheißzustand und lass uns das machen.

00:39:33: und es war wirklich überwältigend was da für eine Resonance kam.

00:39:38: Da habe ich gemerkt okay da lag ein Thema brach weil da kein Bülent mit am Tisch saß und dieses Thema mit eingebracht hat

00:39:45: Ja voll

00:39:47: Da habe ich erst kapiert, dass es einen Sinn macht... ...dass sich dabei bin.

00:39:51: Dass ich in diesem Raum mitsitze und etwas sage,... ...weil sonst wird das nicht ausgesprochen.

00:39:55: Und dieses Freiblatsthema war wirklich absolut prägend weil ich dachte okay wow!

00:40:00: Ich hab da wirklich etwas für eine Generation, für eine Bubble,... ...für bestimmte Leute ausgesprochen die das zwar immer wieder gesagt haben aber es wurde nicht gehört,... ...wenn man nicht in die richtigen Kanäle reingelaufen ist.

00:40:12: Jetzt sitze ich da und kann das mit verändern und kann da positive... Anstöße geben und freie Plätze überhaupt öffentlicher Raum der Menschen zusammenbringt.

00:40:23: Das muss nicht mit Basketball sein, das kann mit Ping-Pong sein, es kann mit Bool sein.

00:40:27: Es kann einfach ein Ort sein an dem man zusammensitzen und chillen kann.

00:40:31: Das ist ein ganz wichtiger Beitrag den ich damit reinbringen in die Kommunalpolitik weil ich einfach Leute zusammen bringen will.

00:40:38: und in einer Zeit in der die Menschen immer mehr polarisieren, durch Social Media beeinflusst werden sind diese Berührungspunkte, diese Begegnungsorte einfach essentiell wichtig in jeder Stadt, in jeder Kommune und deswegen setze ich da so gerne meine Energie rein.

00:40:56: Richtig, richtig gut.

00:40:57: Ich kann das also erstmal.

00:40:59: Schapo an dich und vielen Dank dass du die Arbeit machst, die Du machst weil ich finde du nimmst damit ja auch ein riesen Batzen Verantwortung irgendwie auf dich, die du nicht übernehmen müsstest.

00:41:07: Du könntest doch einfach sagen ich bin irgendwie weiter Musikproduzent DJ, gehe hier und da mal auf ein paar Veranstaltungen und schüttel Hände

00:41:12: usw.,

00:41:13: aber du setzt sich ja wirklich für deine ganze Gesellschaft und insbesondere auch im Heidelberger Raum extrem für die Leute ein Und das auf eine sehr offene Art und Weise, wie ich mir das von einigen anderen Politikern eben auch wünschen würde.

00:41:26: Also erst mal Danke dafür!

00:41:28: Dann kann ich total verstehen was du sagst... Zwischen den Zeilen für mich hängen geblieben.

00:41:35: ist es eigentlich, was du sagst.

00:41:36: Ist das in diesen Räumen wo sich unterschiedliche Menschen treffen?

00:41:39: Eben Menschen treffen!

00:41:41: Dort spielt es nicht keine Rolle, welchen Background du hast, was vielleicht für Defizite hast oder deine Stärken oder Schwächen liegen... Das ist alles irrelevant.

00:41:49: Es geht einfach nur darum dass ich Menschen treffe.

00:41:51: und genauso muss ich ehrlich gestehen habe Ich meine Basketballzeit auch wahrgenommen weil ich ja überwiegend mit Jungs zusammengespielt habe Dadurch dass mein Vater der Trainer war Und plötzlich waren da irgendwie Gihan und Volkan, Joel und Diana.

00:42:05: You name it!

00:42:05: Und alle andere Nationalitäten.

00:42:07: Die einen haben bei uns im ... nannte sich damals Ostblock gewohnt.

00:42:11: Das ist so eben der Bereich in Cuxhaven gewesen wo eher ganz viel soziale Ungleichheit war.

00:42:20: Ganz viele Menschen mit Migrationshintergrund, Zuwanderer.

00:42:23: aber auch Flüchtlinge gelebt haben.

00:42:26: Und das wusstest du nicht, ne?

00:42:27: Als Kind sowieso nicht!

00:42:28: Du machst ja auch als Kind diese Unterschiede gar nicht, sondern es sind einfach nette oder nicht nette Menschen und ich finde da müssen wir wieder mehr irgendwie hinkommen statt die Leute anzugucken und direkt zu bewerten und in Schubladen zu packen.

00:42:39: Natürlich weiß ich aus meiner Arbeit auch dass wir das tun.

00:42:41: Das ist was Menschen brauchen.

00:42:42: Wir müssen ins Schublade stecken um eben die Komplexität der Gesellschaft irgendwie so greifen zu können.

00:42:47: Auch da, mit dem Appell den Du im Prinzip durchs ganze Gespräch schon lauten lässt.

00:42:51: Hört den Leuten zu geht mal unvoreingenommen auf sie zu und hört euch an was sie zu sagen haben bevor man sie direkt irgendwie in die Schubladen steckt.

00:43:00: Bühlen wir sind...

00:43:02: Da kann ich dir nur zustimmen.

00:43:03: also wir haben ja vor allem ein Freiplazprojekt im Emmerzgrund umgesetzt wo wir einen sehr verwahrlosen Platz wiederhergestellt haben, auch gemeinsam mit Künstlern von City Super Graphics.

00:43:16: Dann mit meinem Stadtratkollegen Felix Gretler zusammen und haben Sponsoren gesucht und dann mit den Ämtern gearbeitet und haben wirklich runtergekommenen Platz zu einem absolut geilen, bemalten großen schönen Basketballplatz wieder hergerichtet.

00:43:33: Und dann zu sehen wie die Kids da zusammen kamen dass Emmerz unten auch vom Boxberg der angrenzende Stadtteil da zusammenkommen und Kids miteinander ins Gespräch kommen, die sich vorher vielleicht nicht mehr so getroffen haben.

00:43:48: Das war ein unglaublicher Moment für dann hast du eigentlich ukrainischen Kids, dann haste kurdische, türkische und russische Kids, die da zusammen kommen aus allen Ecken.

00:43:56: Und die spielen erstmal Basketball, lernen sich erst mal als Menschen kennen.

00:43:59: gucken was kann der eine?

00:44:00: Was kann der andere?

00:44:01: Wie wirft sie?

00:44:02: wie wirft er?

00:44:05: guckt man?

00:44:05: ja, mit wem möchte ich zusammen spielen?

00:44:08: Und das sind genau die Dinge, die ich eigentlich erreichen will.

00:44:12: So dieses zwischenländliche Menschen zusammenbringen ist meine

00:44:15: Aufgabe.".

00:44:17: Ja, das merkt man!

00:44:18: Das ist schön.

00:44:18: Bülent jetzt noch eine letzte Frage.

00:44:20: wir sind nämlich schon am Ende.

00:44:21: aber was mich tatsächlich noch zum Abschluss interessieren würde welche Türen sollen denn insbesondere für deine vier Töchter aber auch für alle anderen Kinder selbstverständlich offen stehen, die dir oder auch deiner Familie, deiner Mutter damals nicht selbstverständlicher offen standen?

00:44:35: Ich weiß gar nicht, ob es darum geht Türen zu öffnen sondern vielleicht einfach diese türen gar nicht erst entstehen zu lassen.

00:44:41: die sollen vor allem Diese diese attitude haben wenn sie in ein irgendwo Reinkommen nicht das gefühl zu haben dem jetzt genüge tun zu müssen also dieses was muss ich tun überhaupt hier akzeptiert werden?

00:44:57: Sondern glaube ich was sich den wirklich vermittler ist egal wo du bist.

00:45:02: Du bist dort weil du dorthin gehörst.

00:45:05: Es gibt keine Bringschuld, die du mit in diesen Raum reinbringst sondern du gehst dort rein mit einem Selbstbewusstsein wie alle anderen auch.

00:45:15: also versuche gar nicht erst dich selbst in eine Situation zu bringen das ist ja auch das Problem von Marginalisierung und auch vom Rassismus dass du irgendwann an den Punkt kommst, dass du dich selbst nicht wirklich als voll nimmst.

00:45:28: Also in meiner Kindheit gab es irgendwann auch Punkte, wo ich dachte so, hm, meine Herkunft ist schuld.

00:45:35: Ich bin schuld!

00:45:36: Ich muss an mir arbeiten und besser werden.

00:45:40: Marginalisierung und Rassismus bringen dich dazu, dass du einen irgendeinen Punkt nicht selbst hast.

00:45:45: Du glaubst wirklich, ich bin das Problem?

00:45:47: Ich muss am mir arbeiten.

00:45:48: Ich muss besser werden weil ich bin der

00:45:50: Fehler.".

00:45:51: Und das gar nicht erst entstehen zu lassen.

00:45:53: Du bist niemals der Fehler, du bist einfach perfekt so wie du bist egal wo du reingehst.

00:45:59: ob deine Leistung dem entspricht was da jetzt gefordert wird das ist wieder eine andere Frage.

00:46:03: aber Geh niemals in einen Raum rein und mit dem Gedanken, was muss ich tun um jetzt akzeptiert zu werden?

00:46:11: Sondern geh dort rein.

00:46:12: Und lass dich nicht von solchen Gedanken bremsen oder runterziehen sondern geh dort mit einem bewusst sein dass du ein Recht hast dort zu sein.

00:46:20: das versuche ich in der kommunalpolitik das versuch ich bei der erziehung meiner kinder und auch beim sport und bei den freien platz themen und überall reinzubringen.

00:46:28: ihr seid genau so wie ihr seid seit ihr perfekt Und was deine Leistung angeht, das steht auf einem anderen Blatt.

00:46:34: Aber glaube niemals wenn du irgendwo reingehst dass du etwas zu erfüllen hast was die Anderen vielleicht von dir erwarten weil das könnte ja genauso gut andersrum funktionieren.

00:46:42: Das tust Du ja auch nicht also tu das auch nicht mit Dir selbst

00:46:46: Mega, mega.

00:46:47: Das ist die beste Punchline zum Ende!

00:46:50: Vielen lieben Dank, Bülent.

00:46:51: es war mir ein Fest mit dir zu sprechen.

00:46:53: Ich wünsche dir wirklich von Herzen dass du den größten Erfolg hast mit deiner Arbeit weil ich das wahnsinnig kraftvoll finde.

00:46:59: und ja danke dir von herzen für den Austausch und für deine Offenheit.

00:47:02: vielen dank für das tolle Gespräch Isabel

00:47:14: Danke.

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